Deutlich mehr als eine halbe Million Menschen arbeiten bei uns in 1-Euro-Jobs sozusagen "gemeinnützig"; in Kindergärten, Altenheimen, im Theater, auf Friedhöfen und im Stadtpark. Offiziell müssen Langzeitarbeitslose solche Arbeiten machen, weil der Gesetzgeber sie irgendwann einmal wieder in den 1. Arbeitsmarkt eingliedern möchte, wie es heißt. Aber Handwerksverbände und andere Fachverbände klagen: Immer mehr Kommunen scheinen sich daran gewöhnt zu haben, ihre Aufträge, die sie sonst an Handwerker vergeben hätten, billig von 1-Euro-Jobbern erledigen zu lassen. Oder sie betrauen zum Beispiel arbeitslose Diplom-Psychologen damit, für einen Euro eine Jugendgruppe mit Problemkindern zu betreuen. Unter den Langzeitarbeitslosen gibt es jede Menge Experten für vielerlei Spezialaufgaben.

Wenn dem so ist, möchte ich Sie fragen, wieso ist das kein Lohnwucher, wenn im sogenannten 1-Euro-Job selbst für schwerste Arbeiten allenfalls 2,50 Euro gezahlt werden? Nutzen Arbeitgeber (Staat) und Vorgesetzte (Fallmanager) hier nicht schamlos die "wirtschaftliche Schwäche" und "Opferlage" von Langzeitarbeitslosen aus? Muss man gar befürchten, dass der Arbeitgeber (Staat) bewusst bezweckt, über die 1-Euro-Jobs unverhältnismäßig niedrige Löhne in unserer gesamten Volkswirtschaft durchzudrücken?

Nein, lieb Vaterland, magst ruhig sein. Vater Staat hat auch hier (für sich) vorgesorgt. 1-Euro-Jobs im Rahmen von Hartz IV erfüllen nämlich nicht die Voraussetzungen für Lohnwucher. Ausdrücklich ist klargestellt, dass solche Beschäftigten selbst bei 30 Wochenstunden Arbeitszeit in der Regel und noch mehr im Einzelfall nicht in einem klassischen Arbeitsverhältnis arbeiten, sondern weiterhin Empfänger von sogenannten sozialen Transferleistungen sind.

Merkwürdig. Einerseits vergibt der Staat immer mehr seiner ureigenen hoheitlichen Kontrollaufgaben an Private - bis hin zu den Bauämtern und den Gefängnissen - und verstaatlicht andererseits zum "Null-Tarif" - unter dem undurchsichtigen Mäntelchen der "Gemeinnützigkeit" - immer mehr Arbeiten und Aufgaben (s.a. Banken / Automobilindustrie), die eigentlich ureigene Angelegenheit der Privatwirtschaft sind? Marktwirtschaft paradox.

 

 

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